Neugierig, beharrlich, verbindend: Karl Matthias Schäfer im Gespräch

Er ist von Geburt an blind, ist in seiner Freizeit im Karneval aktiv und nennt sich selbst ein „technisches Spielkind“. Karl Matthias Schäfer, von allen nur Matthias genannt, ist IT-Trainer bei Papenmeier, Moderator des Reha-Stammtischs und Landesvorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen. Ein Porträt über einen Mann, der Menschen zusammenbringt.

Ein Mensch mit vielen Gesichtern

Wer Matthias Schäfer fragt, wer er ist, bekommt keine Titelliste zu hören. Er sagt: 59 Jahre alt, verheiratet, zwei erwachsene Söhne, von Geburt an blind und, wie er es nennt, „ansonsten eigentlich ein ganz normaler Mensch“. Dann kommt das, was ihn antreibt. Er ist „wahnsinnig interessiert an Technik“ und davon überzeugt, dass Inklusion in vieler Hinsicht über Technik stattfinden kann.

Und dann ist da der Karneval. In seiner Heimatstadt Dieburg, einer Karnevalshochburg mit römischer Vergangenheit, ist er seit Kindertagen in einer Gruppe aktiv, die beim Umzug mitläuft und das ganze Jahr über feiert und plant. Schäfer kümmert sich dort um DJ-Technik und Elektronik. „Das wundert manche Leute“, sagt er und lacht. Nach Schule und Studium in Kassel war er 16 Jahre weg. Als er zurückkam, stieg er „wieder voll ein“.

Fragt man ihn nach drei Worten, die ihn beschreiben, braucht er einen Moment. Dann sagt er: Beharrlichkeit, Neugier und verbindend. Wer ihn kennt, widerspricht nicht. Auch nicht die Kollegin, die mit ihm den Reha-Stammtisch macht.

Portrait Karl-Matthias Schäfer

Ein Streik, eine Anzeige, eine Viertelstunde

Manchmal beginnt ein neues Berufsleben mit einem Streik. Die Lokführer legen die Arbeit nieder, und Karl Matthias Schäfer, der jeden Tag von Dieburg nach Frankfurt pendelt, kommt nicht zur Arbeit. Er öffnet Facebook und stößt auf eine Stellenanzeige der Firma Papenmeier. „Das probierst du jetzt einfach mal“, denkt er. Eine Viertelstunde später hat er jemanden am Telefon. Eine Woche später sitzt er im Vorstellungsgespräch.

Dass es so schnell geht, hat eine lange Vorgeschichte. Schäfer ist ausgebildeter Sozialpädagoge und Sozialarbeiter, doch schon im Studium in Kassel packt ihn etwas anderes: die ersten Computerarbeitsplätze der frühen 1990er-Jahre. Er merkt, dass ihm die Technik weiterhilft, und anderen auch. Also gibt er Computerkurse, zuerst für blinde und sehbehinderte Studierende, dann auch für alle anderen. Einen Teil seines Studiums finanziert er damit.

Es folgen Jahre mit vielen Stationen. Er leitet eine Seniorenwohnanlage und wechselt in den Frankfurter Raum, zur Stiftung für Blinde und Sehbehinderte. Dort betreut er IT-Projekte, darunter die elektronische Tageszeitung, die die Stiftung gemeinsam mit Papenmeier entwickelt. Zwischen 2003 und 2005 laufen die ersten Fäden zur Firma zusammen. Kunde ist er da längst, seine erste Arbeitsplatzausstattung hat er dort gekauft. Später leitet er das Dialogmuseum, in dem Sehende erleben, wie es ist, sich im Dunkeln zurechtzufinden. Als der Mietvertrag ausläuft, muss es schließen. Schäfer lässt sich noch einmal anstellen, diesmal als Betriebsleiter, um das Museum neu zu eröffnen. Danach arbeitet er als Jobcoach.

Irgendwann, jenseits der 50, stellt er sich zwei Fragen. Wer will mich eigentlich noch haben? Und wie kann ich meine Technikbegeisterung endlich mit meinem Beruf verbinden? Die Antwort liefert die Stellenanzeige, die an einem Streiktag auf seinem Bildschirm auftaucht.

Seit 2024 ist Schäfer IT-Trainer für blinde und sehbehinderte Menschen bei Papenmeier. „Ich habe mein Hobby zum Beruf machen können“, sagt er.

Unterwegs ohne Autoschlüssel

Sein Arbeitsalltag klingt, als ließe er sich kaum planen. An Reisetagen steht Schäfer früh auf und prüft zuerst, ob seine Bahnstrecke fährt. Die Kollegen sind mit Dienstwagen unterwegs, er fährt mit dem Zug, durch ganz Deutschland. In größeren Städten schafft er mehrere Termine an einem Tag, bei mehrtägigen Schulungen übernachtet er im Hotel. Am Zielort nimmt er ein Taxi oder einen Fahrdienst wie Uber, beim Umsteigen hilft ihm die Mobilitätszentrale der Bahn. Wer ihm zuhört, könnte meinen, er sei ein sehender Kollege ohne Führerschein. Genau das sei auch unser Eindruck gewesen, sagen wir ihm im Gespräch.

Schäfer hat dafür eine einfache Erklärung, die aus seiner Kindheit stammt. Seine Eltern unterstützten ihn früh dabei, selbstständig zu werden. Es gab Mobilitätstraining, und der Vater nahm ihn mit auf Bergtouren und Wanderungen. „Orientierung war immer wichtig“, sagt er, „und ich hatte immer den Wunsch, selbstständig unterwegs zu sein.“ Heute kommt die Technik hinzu: der Langstock, Navigations-Apps, und wenn der Rechner beim Kunden nicht mit ihm spricht, ein Stick mit Screenreader in der Tasche. Taucht eine Fehlermeldung auf, richtet er die Handykamera auf den Bildschirm und lässt sich beschreiben, was dort steht. Eine Assistenz hat er derzeit nicht, weil er sie nicht braucht. An eine Situation, in der er irgendwo stand und nicht zurechtkam, kann er sich nicht erinnern.

Doch auch in diesem Alltag gibt es Dinge, die sich schwer lösen lassen. Zum Beispiel die Frage der Kleidung. Vor rund einem Jahr, so erinnert er sich, bekam er einen Auftrag bei einer größeren Bank. Draußen herrschten 32 Grad. Schäfer, der sich am Zielort gern anpasst und sich vorher beschreiben lässt, wie die Menschen dort gekleidet sind, entschied: Bank, also Anzug. In der Kantine trat der Behindertenbeauftragte an seinen Tisch. „Herr Schäfer, Sie wissen schon, dass Sie der Einzige sind, der hier im Anzug sitzt?“ Die anderen trugen Jeans und Turnschuhe.

Er erzählt es mit Humor, aber es steckt mehr dahinter. Nicht beurteilen zu können, wie andere aussehen, bedeute für ihn manchmal echten Stress. „Anzüge sind für Menschen gemacht, die Auto fahren“, sagt er, wer mit dem Zug anreise, komme verknautscht an. Flecken lässt er sich inzwischen teils von der Handykamera beschreiben. Seine Kolleginnen und Kollegen bittet er trotzdem, ihm Bescheid zu sagen.

Das Spielzimmer

Wer wissen will, wie Schäfer arbeitet, muss sich sein Arbeitszimmer vorstellen. Es beginnt jeden Morgen gleich: Kaffeemaschine, Arbeitszimmer, Computer hochfahren, ein Kaffee im Sitzen. Dann geht es los. Er baut Handouts und Tutorials, unterstützt Kolleginnen und Kollegen, die plötzlich mit einem Apple-Gerät vor einem Problem stehen, oder schaltet sich per Online-Schulung auf fremde Rechner. Es geht um JAWS und NVDA, um Teams, immer häufiger um künstliche Intelligenz und den Microsoft Copilot. Jeder Kunde bekommt nach der Schulung ein Handout mit allem, was besprochen wurde.

„Ich bin ein unglaubliches technisches Spielkind“, sagt er, und sein Arbeitszimmer sei zugleich sein Spielzimmer. Er weiß aber, dass das nicht allen so geht. Für viele Menschen, mit denen er arbeitet, sei Assistenztechnik eine unheimliche Hürde. Screenreader und die Bedienung eines iPhones hätten eine steile Lernkurve, im Vergleich zur Bedienung mit den Augen. Seine Mission ist deshalb, zu zeigen, wie unabhängig man werden kann, wenn man sich die Mühe macht, diese Technik zu lernen.

Einmal im Monat bringt er dieses Wissen zu einem größeren Publikum, im Reha-Stammtisch. Seit knapp zwei Jahren moderiert Schäfer das kostenlose Format. Abwechselnd stehen Windows und Apple im Mittelpunkt, und es geht um alles, was IT-gestützte Hilfsmittel betrifft. Papenmeier selbst kommt dabei kaum vor. Meist startet er mit einem eigenen Vortrag oder einem Gast, danach folgt der Austausch. „In fast jedem Reha-Stammtisch lerne ich etwas dazu“, sagt er. Manchmal kommen danach E-Mails mit Hinweisen, die er an die Runde weitergibt.

Die Vorbereitung ist aufwendig. In der Nacht der Apple-Präsentation saß er bis Mitternacht in Live-Schaltungen und hörte Experten zu, die direkt in den USA sitzen. Er will keinen Fehler weitergeben. „Jede Information, die man rausgibt, die ist halt draußen“, sagt er. „Und wenn sie falsch ist, ist sie falsch in der Welt.“ Deshalb arbeite er journalistisch sorgfältig. Der Stammtisch ist für ihn zugleich ein Ohr in die Community. Er erfährt dort, womit Menschen an ihren Arbeitsplätzen kämpfen und welche Technik künftig gebraucht wird. Das sei auch für die Firma wichtig.

Und die Firma? Bei Papenmeier, sagt er, erlebe er etwas, das er in seinem Berufsleben so noch nicht kannte. Wenn er ein Problem habe, wisse er, wen er anrufen kann. Umgekehrt riefen Kollegen ihn an, wenn sie mit einem anderen Gerät oder Screenreader nicht weiterkommen. Die Entwickler hätten ihre Expertise, und er sei der Experte für die Anwendung dessen, was sie bauen. „Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so eine Kollegialität erlebt wie hier.“

Der Mann, der nichts allein macht

Wer Schäfers Lebenslauf liest, entdeckt neben dem Beruf eine zweite, ebenso dichte Spur: das Ehrenamt. Es beginnt im Elternhaus. Sein Vater, Beamter bei der Post, fuhr zweimal im Monat am Wochenende freiwillig Rettungswagen. Der Sohn war als Kind davon fasziniert. Schäfer wird Klassensprecher, später Schulsprecher, setzt sich im Studium für die Literaturversorgung blinder Studierender ein und leitet im Allgemeinen Studierendenausschuss das Behindertenreferat. In Kassel engagiert er sich in Vereinen, die für die Autonomie behinderter Menschen eintreten. Später landet er beim Blinden- und Sehbehindertenbund, dessen hessischen Landesverband er heute führt, und kümmert sich dort unter anderem um Mobilität, Umwelt und Verkehr.

Die Bilanz dieser Jahre lässt sich in Zahlen erzählen. Als Schäfer anfing, hatte der Verband fünf Mitarbeitende, heute sind es mehr als 40. Es gibt ein hessenweites Beratungsnetz, und in Orten ohne Bezirksgruppe fährt eine rollende Beratung vor. Der Verband sitzt im hessischen Lobbyistenverzeichnis und wird gehört, wenn es um Gesetze geht. Schäfer hat schon vormittags im Ausschuss über die Hessische Bauordnung gesprochen und nachmittags im Sozialausschuss das Landesblindengeld verteidigt. Eine große Kürzung dieser Leistung konnte der Verband abwenden. Auch das gehört dazu: Als seine beiden Söhne aufwuchsen, trat er im Vorstand kürzer, denn sie wollten ihren Vater haben.

Auffällig ist, wie wenig Schäfer in diesem Zusammenhang von sich selbst spricht. „Ich habe nichts davon alleine gemacht“, sagt er. An den wichtigsten Projekten seien über 300 Menschen beteiligt gewesen. Sein Weg sei es, Leute zusammenzubringen, zu vernetzen und zu begeistern, denn: „Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.“ Vom Baurecht habe er keine Ahnung, die Normen seien ihm ein Gräuel, aber es gebe Menschen, denen das Spaß mache. Am Abend vor unserem Gespräch hat er eine Zukunftswerkstatt für seinen Verband moderiert, mit vielen neuen Gesichtern, bei der Aufgaben verteilt wurden.

Hinter allem steht ein schlichtes Lebensmotto: die Welt ein Stück besser machen. Schäfer weiß, dass er Glück hatte. Seine Eltern akzeptierten seine Blindheit und sahen sie als Herausforderung. Er hält sich deshalb für privilegiert. Wer später im Leben sein Augenlicht verliert oder schlechtere Voraussetzungen hat, für den könne das eine Katastrophe sein. Für diese Menschen kämpfe er. „Ich habe die Power, mich einzusetzen“, sagt er. Dazu gehöre auch, sich politisch auseinanderzusetzen, damit die Welt am Ende für alle ein Stück besser wird.

„Du hast hier Heimspiel“

Am 19.08.2026 steht Karl Matthias Schäfer in der Hessischen Staatskanzlei. Die Staatssekretärin des Hessischen Sozialministeriums steckt ihm das Bundesverdienstkreuz an. Eigentlich sollten an diesem Tag mehrere Menschen ausgezeichnet werden, am Ende ist er der Einzige. Im Raum sind nur die Gäste, die er selbst eingeladen hat, darunter auch ein Vertreter seines Arbeitgebers.

Schäfer erzählt, dass ihn in diesem Moment ein Gedanke erwischt. „Junge, du hast hier Heimspiel“, sagt er sich. „Du hast hier nur Leute, die du eingeladen hast und die das jetzt miterleben.“ Das habe ihn „wie eine Welle“ gepackt. Er habe den Augenblick dann sogar genossen, einmal im Mittelpunkt zu stehen.

Dabei hatte er der Nachricht zunächst nicht getraut. Am 2. Mai kam der Brief des hessischen Ministerpräsidenten, der ihm mitteilte, dass ihm das Bundesverdienstkreuz zuerkannt wurde. Die erste Reaktion war Zweifel. „Wieso eigentlich ich? Ich habe doch nichts alleine gemacht.“ Von dem, was im Hintergrund lief, wusste er nichts, denn solche Verfahren sind geheim. Heute kennt er einen Teil der Geschichte. Der Verband hatte zum 100-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr beantragt, Mitglieder des Vorstands mit dem Landesehrenbrief auszuzeichnen. Das Land Hessen schickte den Antrag zurück. Das sei kein Fall für den Landesehrenbrief, hieß es, sondern für das Bundesverdienstkreuz. Es folgten Recherchen in seiner Heimatstadt, Prüfungen im Land und eine Entscheidung im Amt des Bundespräsidenten in Berlin.

Geglaubt hat Schäfer es trotzdem erst, als sein Umfeld ihn mit der Nase darauf stieß. Er ließ die vergangenen 35 Jahre Revue passieren. Was sich in der blinden und sehbehinderten Selbsthilfe getan hatte, was er mit angestoßen hatte, in Hessen und darüber hinaus. Dann sei er stolz gewesen und habe die Auszeichnung annehmen können.

Fragen statt Wegschauen

Wie begegnet man blinden Menschen eigentlich richtig? Wir erzählen Schäfer von einer Szene am Bahnhof. Ein blinder Mann geht den Leitstreifen entlang, es funktioniert wunderbar. Neben uns sagt eine Mutter zu ihrem Kind, es solle nicht so hinschauen.

Seine Antwort ist unaufgeregt und klar. Wer einem blinden Menschen im Bahnhof begegnet, begegnet jemandem, der selbstständig ist und mit seiner Situation klarkommt. Wer das Gefühl hat, dass jemand Hilfe braucht, soll fragen und ihn direkt ansprechen. „Derjenige weiß, was er braucht, und ob er es braucht.“ Lehnt er höflich ab, gelte das. Fällt die Antwort einmal kürzer aus als erhofft, liege das oft nur daran, dass die Orientierung im Bahnhof anstrengt und der Zug erreicht werden will. Auch Neugier sei erlaubt. Wer sich nicht vorstellen kann, wie jemand etwas macht, darf ihn ansprechen. „Die meisten Leute sind gerne bereit aufzuklären.“ Sein Rat in einem Satz: „Ansprechen, fragen und nicht weggucken.“

Eine Anekdote aus seiner Zeit als Chef bringt es auf den Punkt. Seine Mitarbeitenden hatten sich anfangs Gedanken gemacht, wie das wohl wird mit einem blinden Vorgesetzten. Dann begannen sie, ihm handgeschriebene Zettel auf den Schreibtisch zu legen. Lesen konnte er sie nicht. „Aber ich wusste: Jetzt ist alles gut. Jetzt haben sie es vergessen. Jetzt ist es normal.“

Die Welt in fünf Jahren

Am Ende fragen wir ihn, wie die Welt in fünf Jahren aussieht. Schäfer sagt, das könne er sich im Moment gar nicht richtig vorstellen. In den vergangenen drei Jahren habe sich durch künstliche Intelligenz so viel verändert, neue Hilfsmittel, neue Technologien, neue Möglichkeiten. Es entstünden Hilfen, die Umgebungen erkennen, die bisher nur optisch zugänglich waren. Er denkt dabei auch an die umstrittenen smarten Brillen, die blinden und sehbehinderten Menschen helfen können. Seine Hoffnung ist, dass blinde Menschen künftig nicht mehr vor allem als Kostenfaktor der Sozialpolitik gesehen werden, weil Barrierefreiheit zur Normalität wird. Die Hersteller bauten Bedienungshilfen schon heute fast durchgängig ein.

Und er hat eine Idee, an der er gern arbeiten würde. Ein Projekt, das untersucht, welche Berufe in den nächsten fünf bis zehn Jahren verschwinden, welche neu entstehen und wie blinde und sehbehinderte Menschen sie ausüben können. Blinde Menschen sollen der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht länger hinterherlaufen, sondern sie auf gleicher Höhe mitdenken.

Bei der Braillezeile kommt der Mann zu Wort, der für Papenmeier arbeitet, und er widerspricht. Jemand habe ihm gesagt, in fünf Jahren brauche man sie nicht mehr. Schäfer hält dagegen. Wer nur mit Sprache arbeite, brauche eine unglaublich hohe Konzentration, schon bei der Schreibweise von Namen. „Wir werden auch in fünf oder zehn Jahren noch Braillezeilen haben, aber eben andere.“ Wie sie aussehen werden, im Zusammenspiel von Braille, KI und Sprache, treibt ihn derzeit am meisten um. Ob flächige Displays, auf denen sich etwa Tabellen darstellen lassen, weiter gebraucht werden, könne er noch nicht sagen. Und die Schrift als solche werde bleiben, davon ist er überzeugt.

Für die berufliche Reha hat er einen Rat, der wie ein Leitspruch klingt: „Lernt, nehmt alles mit. Im Zweifelsfall sind wir dann besser als die anderen.“

Und für sich selbst? Im Beruf wünscht er sich, noch viele Jahre an zukunftsweisenden Entwicklungen der Hilfsmitteltechnologie mitzuarbeiten, Vorträge und Schulungen auszubauen und sich nicht in ein paar Jahren als Ruheständler auf die faule Haut zu legen. Aus Wahlämtern im Verband will er sich in den kommenden Jahren zurückziehen und Nachfolger aufbauen, damit er sich um die Projekte kümmern kann, die ihm am Herzen liegen. „Ich möchte mich nicht aus dem Amt heraustragen lassen.“

Sein Schlusswort ist ein Wunsch, der alles zusammenfasst. Er hoffe, dass blinde, sehbehinderte und sehende Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, sich weiter austauschen und sich damit gegenseitig nach vorne bringen.

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